PyrEnduro – Auf 2 Schwebebalken in den Pyrenäen

Samstag, 29. August:
Die KTM 950 Superenduro R ist selten. Zwischen 2006 und 2009 nur wurden ca. 3000 Exemplare produziert und international verkauft. Denn sie ist mit einem Gewicht von 190kg bei 98PS für die meisten Leute einfach zu viel des Guten. Wer braucht so eine Monsterfräse? MOTORRAD schrieb einst: „Ab 2 Meter Körpergröße und 120 Kilogramm Gewicht wäre die KTM vielleicht ein Spielzeug“. Auf Guido und mich trifft das zu, daher fahren wir in die Pyrenäen zum Spielen.

Vor uns liegen 2 Wochen auf den Superenduros, deren Sitzbänke eher einem Schwebebalken ähneln als einem bequemen Sitzmöbel, auch wenn Guido in einem Anfall von Schwäche seine Sitzbank bequem aufpolstern ließ. Er wollte sich vermutlich den Weg zum Endurologen ersparen. Jedenfalls sind diese Raritäten für die vorgesehenen Strecken der ideale fahrende Untersatz, denn etwa die Hälfte der Reise werden wir auf unbefestigten Wegen verbringen.

Die Vorbereitungen haben schon begonnen, als es draußen wenig einladend war. Einen bunten Plan habe ich wie immer an langen Winterabenden mit viel Hingabe ausgetüftelt.

Ein bunter Plan

Und auch die schon bald 20 Jahre alten Mopeds bedurften noch der Zuwendung: Navi installieren, leistungsstarke Batterie verbauen, Gepäcksystem auswählen, kaufen, ausprobieren, Bremsen machen, Benzinleitung erneuern, Öl und Reifen wechseln, Enduroplast einpacken …. da war so Einiges zu tun.

Pyrpetuum Mobile

Und ein paar Probefahrten waren auch nötig, um festzustellen, dass noch nicht alles so funktioniert wie gewünscht. Beispielsweise sollte beim Batteriewechsel sichergestellt werden, dass auch wirklich ALLE Kabel wieder angeschlossen werden. Älteren Teilnehmern hilft hierbei die Verwendung einer Brille. Die Zündung ist zudem bei längerer Standzeit auszuschalten.

Blick unter den Schwebebalken

Aber jetzt stehen zwei hoffentlich funktionierende Kürbisse im Bus und wir fahren los. Es sind doch etliche Kilometer quer durch Frankreich zurück zu legen, bis wir an den Ausgangspunkt unserer Pyrenäenbefahrung kommen. Mal sehen, wie lange wir brauchen, bis wir ankommen.

Pyr aspera ad Pyrenaeos

Sonntag, 30. August:
Weiter geht’s nach einem kleinen Frühstück im Bäckerei Drive-In in Richtung Süden. Gestern sind wir ziemlich entspannt gefahren, dafür aber nur bis nach Clermont Ferrand gekommen.

Etwas südlich von Toulouse treffen wir Bertrand, einen lieben alten Arbeitskollegen. Bei ihm vor der Haustür können wir den Wagen stehen lassen. Er wird ihn die nächsten 2 Wochen im Blick behalten. Von hier geht es nach einem sehr gemütlichen Beisammensein auf den Motorrädern weiter, erst einmal zur Tankstelle, dann auf einer langen graden Straße zum verwaisten Hotel in Boussens. Hier gibt es einen Pool, der genau zu dem Zeitpunkt schließt, an dem wir verschwitzt ankommen. Zum Ausgleich ist das Hotelrestaurant heute geschlossen. Ok, wir wollen ja in diesen 2 Wochen mit weniger auskommen. Und wenn man dem Getränkeautomaten im Foyer noch etwas Extra-Geld einwirft, dann lässt er sogar ein paar Getränke raus.

Endlich ein normales Urlaubsbild

Montag, 31. August:
Der Morgen beginnt etwas holprig, da der Hotelier behauptet, ich hätte seinen Getränkeautomaten kaputt gemacht. Stimmt nicht, war ich nicht, Polente. Um 10 geht es dann endlich los los, erst zum Frühstück, dann zum Supermarkt, und dann auf die rote Linie.

Wie oft hab Euch gesagt, Ihr sollt HELME tragen!

Die Route die ich im Winter geplant habe ist gut befahrbar, wenn man Luft aus den Reifen ablässt. Mit 1,8 bzw. 2 bar kommt die Sense überall durch, auch durch fiese tiefe Auswaschungen und schlammige Mompelöcher. Man muss sich nur gut festhalten.

Pynkelpause

Den Abend verbringen wir in einem Hotel, in das wir bestimmt nochmal wiederkommen. Super Zimmer, Super Personal, Super Essen, und das Beste: Ein eigener Motorradparkplatz vor der Tür.

Supyrbike

Dienstag, 1. September:
Schon ist wieder September. Das ging ja schnell. Die Nacht ging fast genauso schnell vorbei wie das Jahr. Frühstück um 8, mit Holländern quatschen, aufsatteln.

Zunächst am Fluss entlang, dann links ab Richtung Quillan. Der Chemin De Quirbajou ist eine herrliche Panoramastrasse, die uns zu uralten Dörfern, Aquädukten und schönen Aussichten führt.

Anlyger frey

In der Ferne kommt nun das erste Mal das Mittelmeer in Sicht, hurra!!! Die Straßen sind schmal, manchmal steil, hier und da unbefestigt. An manchen Stellen hat man fast den Eindruck, dass man doch grade eben erst hier entlang gefahren ist. An einigen Stellen trügt dieser Eindruck nicht.

Wenn man 300m hinter dem Roc Cournut rechts abfährt kommt man da wieder raus, wo man vor 15 Minuten nicht reinfahren durfte.

Wir kommen über den Col Des Auzines und legen südlich von Sournia am Ufer der Desix eine Pause für ein Chorizobaguette und eine Magnesiumtablette ein. Hier ist es kühler und man kann sich die Schuhe im Bach waschen.

Hyper Hyper

Über den Col De Roc Jelère kommen wir nach Prades. Hier im Tal ist es ziemlich heiß. Daher suchen wir uns eine schöne Unterkunft mit Pool in Prades, diesem eigentlich schönen Ort mit merkwürdigen und bekifften Leuten und kühlen uns ab, bevor wir uns zum Abendessen aufmachen. Es gibt Reis, Baby.


Mittwoch, 2. September:
Spanien, wir kommen! Der Morgen beginnt ohne Frühstück und ohne Tanken. Super ist bei Total ausverkauft. Erst viel weiter, als die Reservelampe bei mir zu leuchten beginnt, kommen wir an einer gut bestückten Carrefour Tanke vorbei.

Vom Col De Palomère geht ein einfach geschotterter Weg zum Tour De Batère ab. Der Weg ist auch bei Fußgängern beliebt. Einige von denen grüßen freundlich, als wir staubfrei vorbeirollen.

Aussycht

Erst in Arles-Sur-Tech kehren wir ein. Aus dem Frühstück ist ein Spätstück geworden, dafür schmeckt es dort umso besser. Wir müssen uns gut stärken, denn auf dem Weg zur Aussichtsantenne, dem heutigen Highlight, liegt ein nicht einfach zu befahrendes Schottersträßchen, dass sich später als steiniger Wanderweg entpuppen wird.

Hinter dem Col De La Brousse führt rechts ein Weg in den Wald. Ein Schild, das vermutlich noch älter ist als wir, weist uns den Weg. Da wir nicht lesen können, was da steht, fahren wir einfach in Ruhe los.

Supyr Beschylderung

Mit viel Geschick und Dank dem 21 Zoll Vorderrad der Superenduros kommen wir bis nach oben, wo uns bei der Antenne eine gigantische Aussicht über das weite Land erwartet.

Blick nach Perpygnan

Jetzt geht’s wieder runter. Es wird warm. Wir müssen mal Middach machen. Also kehren wir ein und verspeisen in der Gesellschaft von Wanderern, holländischen Radfahrern und harleyfahrenden harten Wochenendrockern, die vermutlich alle mit dem Bus gekommen sind, ein fürstliches Mahl. Frisch gestärkt werden die letzten Meilen in Angriff genommen, die nochmal ein Stück durch Frankreich gehen. Dann kehren wir in ein urgemütliches Komforthotel mit Pool ein. Die geben sich hier so richtig Mühe, sogar die Weihnachtsdeko ist schon aufgebaut. Ob die hier wie in Deutschland auch schon Lebkuchen im Supermarkt anbieten?

GuNa!

Donnerstag, 3. September:
Nach einem guten spanischen Hotelfrühstück satteln wir auf, holen noch etwas Reiseproviant, und fahren bergauf in die Collada Fonda und dann weiter durch die Collada de Fontlletera, die wir auf einer gut fahrbaren Schotterstraße durchqueren. Die Gegend ist durchaus touristisch erschlossen. Uns begegnen nicht nur andere Motorradfahrer auf Adventurebikes, sondern auch einige Mountainbiker, Gravelbiker, Wanderer, die ihre Autos irgendwo oben in der Wallachei geparkt haben, sowie sogar eine Gruppe Pilzsucher, die in einem VW Golf unterwegs sind.

Erfryschung gefällig?

In Ribes Del Freser kaufen wir noch mehr Getränke. Es ist heiß. Guido will ein Bad im Bach nehmen, dann ist Vesperzeit.

Das Hotel an der Collada de Toses ist jetzt fertig. Die Kurven hier in dieser Bilderbuchlandschaft auch. Wir biegen rechts ab und nehmen die unbefestigte Abkürzung nach Puigcerdà. Hier gibts Benzin zu spanischen Preisen, dann kommen wir nochmal kurz durch Frankreich, dann aber wieder nach Spanien.

Oben, mitten im Nirgendwo, finden wir zu unserer Überraschung eine Vesperstube der spanischen Art.

Refugi De La Feixa

Oben ist kaum Händi-Empfang, aber die Firma hat Sehnsucht nach mir, mein Kollege pingt mich an und will was wissen. Ich scheine ja dort immerhin nicht völlig überflüssig zu sein, wenn ich schon nach drei Tagen Abwesenheit wieder gefragt bin. Die Sache ist schnell geklärt, nach einer Mountain Cola schottern wir wieder ins Tal. Unten ist der Empfang so gut, dass wir ein hübsches Hotel buchen können. An dem sind wir vor 2 Stunden schon vorbei gefahren, aber dann über die Berge gefahren. Jetzt fahren wir die schnelle Landstraße und springen 35 Minuten später in den Pool.

Freitag, 4. September:
Gute Nachrichten am Morgen versüßen den Tag. Jetzt kann nix mehr schief gehen.

Heute auf dem Programm: Andorra. Rein und raus ohne Grenzkontrolle. Über Certanya-Alt Urgell auf der alten südlichen Schmugglerroute durch den Wald kommen wir nach La Rabassa.

Hier geht’s von oben rein

Den Berg runter, durch die vollgestopften Straßen von Andorra La Vella zur Tankstelle (1,68/l für Super 98) zum Aussichtspunkt Mirador Roc Del Quer. Als ich das letzte Mal hier war, gab es nur drei hölzerne Stelen, zwischen denen man mit dem Motorrad herumfahren konnte. Jetzt ist hier eine Gastronomie. 600m weiter und ein steiles Stück runter ist eine moderne Touristische Attraktion mit Nervenkitzel.

Pause mit Aussycht am Mirador Roc Del Quer

Als wir grade wieder losfahren wollen, kommt ein älteres bayerisches Pärchen auf BMWs an. Wir quatschen kurz, Guido ist es zu heiß und er fährt schon mal los. Die netten Bayern beäugen mein Motorrad, das schon ziemlich abenteuerlich aussieht, und weisen mich darauf hin, dass mit meinem Kennzeichen etwas nicht stimmt.

Bei der Sense ist es so, dass alles, was nicht ab Werk verbaut ist, abvibrieren kann. Das gilt für Zusatzleuchten, Blinker, Aufkleber und Kennzeichen. Bei mir ist es heute das Kennzeichen.

Abvibriert

Die Reparatur am Straßenrand kostet handwerkliches Geschick und ca. 15 Minuten. Beim nächsten Baumarkt werden wir 4 Unterlegscheiben kaufen, für den künftigen Fall, dass das nochmal wieder vorkommt. Aber wahrscheinlich hält das Provisorium, so wie es jetzt ist, wieder 10 Jahre.

Auf der westlichen Schmugglerroute verlassen wir Andorra wieder, Richtung Tor. Wir rumpeln den gut befahrbaren Weg hinunter, durch die Furt, und hinein in die Versperstube in Tor. Da man drinnen aber nicht stehen kann, sitzen wir draußen und verbringen die fürstliche Mittagspause an der frischen Luft mit einer verfressenen Katze sowie Aurelien und Thomas, die aus Strasbourg kommen und denen wir gestern und heute schon auf dem Weg begegnet sind.

Wynke Wynke

In Llavorsi halten wir am Kajakhafen an und buchen ein Hotel mit Pool und Parkplatz. Wir müssen nur noch 200m fahren, dann kommt die Erfrischung.


Samstag, 5. September:
Während in Stuttgart heute die Downhill Radfahrer ihren Spaß haben, stehen wir heute gleich zweimal vor Schildern, die uns die Weiterfahrt auf der geplanten Strecke untersagen. Der Creu de l’Eixol bleibt uns ebenso verwehrt wie die Fonts de Balerant, die heute grundsätzlich aus Umweltschutzgründen für Motorräder gesperrt ist. Mountainbiker, Wanderer und riesengroße Geländewagen dürfen rein, wie gesagt aus Umweltschutzgründen.

Wir müssen über den normalen Straßenpass Port de la Bonaigua fahren. Das spektakulärste daran ist es, dass wir dort wegen einer Baustelle ca. 40 Minuten in der prallen Sonne warten müssen, gemeinsam mit immer mehr anderen Leuten, deren Fahrzeuge allesamt deutlich sauberer, staubfreier und langsamer als unsere sind.

Wir haben ja Zeit

Wir befahren nun aber doch noch ein kleines unbefestigtes Stück des Weges: die Còth de Varradòs, die uns landschaftlich ein bisschen an den Campo Imperatore erinnert. Einige tiefe Auswaschungen sind wie in den vergangenen Tagen auch hier auf der Piste zu finden. Hier halten wir es genau wie in den letzten Tagen: „Einfach drüberfahren!“ lautet unser Motto. Läuft.

Hier

Wir kommen mehr in Richtung der hohen Berge, näher an die französische Grenze. Von hier könnten wir in 2,5 Stunden wieder bei Bertrand sein. Aber wir sind ja erst für Freitag nächste Woche verabredet, und wir wollen noch etwas mehr spielen hier oben. Einige spektakuläre Strecken liegen noch vor uns. Hoffentlich können wir dann wenigstens diese befahren.

Schnee in Sycht

Nachdem wir heute schon so viel Glück mit der Streckenwahl hatten, gehen wir in Vielha tanken, Pizza essen und zischen dann nach Arties in den Parador. Der hat einen 50m Pool und schöne Zimmer. So richtig weit sind wir heute nicht gekommen, obwohl doch einige Stunden unterwegs waren. Morgen wird‘s hoffentlich besser. Aber immerhin: mein Kennzeichen ist noch dran.

Sonntag, 6. September:
Einfach drüberfahren. Aber heute nur kurz. Es ist ja schließlich Sonntag.

Soll ich hier auch dryberfahren?

Vor uns eine Gruppe spanischer kleiner Enduros. Die Fahrer scheinen aber alle recht unsicher und es scheint, dass alle, ausser der Anführer, nicht so richtig wissen, was sie tun. Wir fahren rechts ran zum Kaffee trinken. Die Gruppe auch. Beim Bestellen wird es klar: Holländer auf Mietmotorrädern, mit Miethelmen und Miettourguide. War ja klar. Holland muss ziemlich leer sein dieser Tage, die Holländer sind alle hier.

PyroPause mit Brot 🥖 Chorizowurst und Aussicht.

Im Nationalpark „Parque Natural Posets Maladeta“ legen wir eine Pause ein. Dann kann man später auf dem Weg zum Pool schneller fahren und alle überholen. Denn zum fahren ist es heute fast zu heiß.

Feyerabend!

Montag, 7. September:
Wir verlassen das Hotel mit den rheinischen Kardanexperten und wenden uns nach Nordwesten.

Der Bellos hat in langer Zeit eine atemberaubende Schlucht in den Berg geschnitten. Die Schlucht von Añisclo durchfährt man im Einbahnstraßenmodus. Das erhöht die Verkehrssicherheit, denn man ist von der umgebenden Landschaft geradezu überwältigt. Beiderseits ragen immense senkrechte Wänden in den Himmel, an denen die Schwarzkiefern die Gesetze der Natur herausfordern. Der Fluss Bellós da unten spiegelt mit seinem dunklen oder grünen Wasser je nach Licht die Umgebung wider und schafft eine tempelartige Stille an diesem beeindruckenden Ort.

Schlucht von Añisclo

Bei Nerin wollen wir gerne rechts hoch fahren. Denn oben befindet sich eine Schotterpiste, die zu sensationellen Aussichtspunkten in die Schlucht führt. Doch leider befindet sich am Beginn der Piste ein Verbotsschild und eine dazugehörige Kamera. Schweren Herzens befolgen wir die Regeln, kehren um und nehmen den langen Weg außen herum.

Durch Jaca kommen wir heute sogar zweimal. Das erste Mal planmäßig zum Tanken. Das zweite Mal, nachdem wir wegen einer dreifach abgesicherten Baustelle vor Jasa wieder umkehren müssen. 60km Umweg bei über 30 Grad braucht man ebensowenig wie den Kardanexperten von gestern. Immerhin ist die Streckenführung interessant und da es trocken ist, auch gut zu befahren.

Pause

Rauf und runter, rechts und links. Am späten Nachmittag gibt es noch eine flotte Schotteretappe durch den Wald, immer am kleinen Bach namens Barranco De Larraize entlang nach Ochagavía. Dieser Ort ist touristisch eigentlich gut erschlossen. Und zwar so gut, dass es heute, es ist 17 Uhr, nur noch ein einziges Zimmer gibt. Alles andere ist ausgebucht. So trennen sich unsere Wege heute Abend. Guido nimmt das Zimmer zum nachfrageorientierten Preis von knapp 250 Euro, ich selbst buche ein anderes Hotel einen Ort weiter. Vor Ort stellt sich heraus, dass es wegen Saisonende im ganzen Ort nichts mehr zu essen gibt. Ich kann kostenlos stornieren, muss nun aber nochmal 15 Minuten weiter fahren, um in ein sehr gemütliches Landhotel mit großartiger Hausmannskost zu gelangen. Um 20 Uhr ist Middach.

Morgen früh holt Guido mich um 9:30 hier ab. Bis dahin bin ich vermutlich wieder wach.

Dienstag, 8. September:
Mit militärischer Pünktlichkeit um 9:25 rollt Guido vor meiner Unterkunft ein. Kann losgehen.

Zum Tagesbeginn halten wir uns nicht an die ursprünglich geplante Route, sondern steuern einen Ort an, den ich vor Jahren mal eher zufällig gefunden hatte. Auf dem Weg dahin kommen wir an einer historischen Landmaschinenkollektion vorbei. Sie ist nicht überdacht.

Landwirtschaftlicher Gebrauchtfahrzeughandel

Der Ortzanzurieta ist mit 1.566m eine erhebende Erhebung. Der Weg hinauf ist etwas rumpelig. Der Weg besteht aus ehemals asphaltierten Serpentinen, die man aber besser geradeaus über den Pfad abkürzt, das ist materialschonender. Oben hat man auf spanischer Seite eine Sicht auf das Kloster Roncesvalles und die Kirche von Burguete sowie einen phantastischen Blick auf das französische Wolkenmeer. In der Ferne winken die 3000er des Pyrenäenhauptkamms.

Später in Saint-Jean-Pied-de-Port, dem verstopften Ausgangspunkt so mancher Jakobswegwanderung, decken wir uns mit Verpflegung ein, machen aber nur kurze Zeit später eine Pause mit Tarte an einer Bäckerei mit weltoffener Bedienung. Die Freundlichkeit oder Entspanntheit der vielen Jakobswegwanderer hat sich vielleicht auf die Bewohner hier übertragen.

Über den Col d’Ispeguy kommen wir wieder nach Spanien, hier gibt es noch eine nicht allzu lange Offroadpassage, auf der wir aufpassen müssen, nicht den querliegenden Baum oder einen der hier verkehrenden Jakobswegwanderer zu überfahren. Das Motto „Einfach drüberfahren“ gilt nicht überall. Hier heißt es dann „Einfach Drumherum fahren“.

Holländer tauchen allerorten aus dem Nichts auf. Manche auf blitzsauberen Motorrädern fotografieren sich am Straßenrand. Andere, die mit dem Wohnmobil gekommen sind, weisen uns darauf hin, dass man auch zu Fuß gehen könnte. Nein, können wir nicht. Wir fahren wirklich ÜBERALL mit dem Moped hin. Und ganz besonders dahin, wo laufen anstrengender als fahren wäre.

Auf dem Jaizkibel wollten wir eigentlich unser Vesper machen. Klappt leider erst mal nicht, denn es kommt eine ganze Busladung Touristen. Der Guido erklärt den Leuten, wo sie sich befinden und dass man da unten den Badeort Saint-Jean-de-Luz sehen kann. Wir suchen uns ein anderes Plätzchen und finden es. Mit Blick auf den Atlantik auf einer Weide packen wir das mitgebrachte Essen aus. Doch dann werden wir von einem Trupp Esel überfallen. Die Babyesel attackieren uns mit überwältigender Niedlichkeit.

Die älteren sind entweder neugierig oder hungrig, so genau wissen wir es nicht. Wir brechen die Pause ab und in Richtung Unterkunft auf. Hier an der baskischen Küste wollen wir zwei Nächte bleiben.

Bidart

Film ab:


Mittwoch, 9. September:
Pause. Das ewige Rauschen. Die lustigste Badehose.

Donnerstag, 10. September:
Die Pause ist zu Ende. Wir frühstücken noch in Bidard am Marktplatz an einer Bäckerei, die das Baguettetetris erfunden hat. So, wie es aussieht, riecht und schmeckt es auch. Mmmmmmh.

Brotkunst

Entgegen der ursprünglichen Idee, auf dem TET Richtung Osten zu fahren, wählen wir asphaltierte Wege unterer Ordnung.

Erst entlang der Nive, dann auf der Rte d’Errozate erfreuen wir uns der schönen baskischen Architektur und wir staunen nicht schlecht ob der Landschaft. Mal sieht es aus wie in Schottland, mal wie in den Alpen.

Wolkenstimmung

Auf jeden Fall haben wir alle Hände voll zu tun, den tausenden Kuhfladen auf der Straße auszuweichen. Außerdem ist es ziemlich kühl heute. Trotzdem schmilzt auf der kurvigen Strecke das Profil unserer Stollenreifen einfach dahin.

Suchspiel: Auf dem Bild hat sich ein Mann versteckt.

Dann befahren wir einige Klassiker der Tour De France, die auf dem Weg liegen. Pourtalet, Aubisque, Col de Soulor, Col des Bordères. Der Himmel ist blau.

Col d’Aubisque

Wir übernachten in Cauterets, einem hübschen Skiort mit Raclette und lassen unseren letzten Pyrenäenmotorradabend ausklingen.

Freitag, 11. September:
Ein gelungener Tag beginnt mit der erfolgreichen Suche nach dem Frühstücksraum. Wir machen uns auf den Weg und fahren weiter die touristische Route. Wäre doch gelacht, wenn wir es heute nicht schaffen würden, das Profil der Hinterreifen aufzubrauchen. Denn heute Nachmittag sind wir mit Bertrand verabredet, der jetzt 12 Tage lang ein Auge auf den Bus geworfen hat. Vorher befahren wir noch ein paar von der TdF bekannte Pässe. Die Pyrenäen sind wirklich ein Motorradparadies! Zu unserem Leidwesen sind sie aber auch ein Paradies für privat organisierte, holländische Aushilfs-Tour De Frances. Und für Gruppen von Leuten die in teueren Kraftfahrzeugen (Porsche, Ferrari, Cabrios aller Art usw.) oder auf Motorrädern mit Kardanantrieb hintereinander her gondeln. Achja, was gibt’s Schöneres als Fahren in der Gruppe?

Adieu Les Pyrenees!

Wir fühlen uns auf den Superenduros so zu Hause, dass wir ziemlich schnell voran kommen. Stand heute morgen noch als erwartete Ankunftszeit bei Bertrand auf dem Navi 16:45, haben wir gegen 13 Uhr schon über eine Stunde herausgefahren. Keine Ahnung, wie sich so ein Navi so verschätzen kann. Aber das hat ja auch eine gute Seite: wir können eine Mittagspause einlegen, die wir in netter Gesellschaft verbringen. Dann wird wieder Reifenprofil geopfert, bis wir pünktlich bei Bertrand ankommen. Vielen Dank fürs kümmern! Wir verladen die Mopeds mit den blanken Reifen und nun sind es nur noch 1200km bis nach Hause.

Diese Tour hat unsere Endurophine in Schwung gebracht. 2605km sind es insgesamt geworden. Die SEs haben gut durchgehalten, wir auch. Das war keine Selbstverständlichkeit, denn wir sind ja alle nicht mehr die jüngsten. Aber wir haben wieder viele schöne Erlebnisse erlebt und Erinnerungen gesammelt. Und unser Motto, das wird uns in den nächsten Wochen wahrscheinlich immer wieder in den Sinn kommen, wann auch immer mal ein Hindernis vor uns liegt:

EINFACH DRÜBERFAHREN!

Das Sygerteam fährt
pyrück nach Hause

Veröffentlicht von MoTranshumance

Born to Ride - Forced to Work

9 Kommentare zu „PyrEnduro – Auf 2 Schwebebalken in den Pyrenäen“

  1. Da kann ich euch nur gratulieren und viel Vergnügen wünschen.

    Wir fahren morgen Richtung Picos de Europa, die wir hofentlich am Mittwoch erreichen werden.

    Und dann wird die iberische Halbinsel onroad bereist.

    Zwischendurch schau ich immer wieder bei Transhumance rein, weil ich einfach begeistert von Deiner Schreibe und den Bildern (bewegt und unbewegt) bin sowie neugierig wie’s euch geht und was ihr alles erlebt.

    Kommt’s einfach xund und bereichert von positiven Erfahrungen zurück – irgendwann.

    Maxmoto

    Gefällt 1 Person

  2. Eigener Motorradparkplatz für ne bequeme Enduro bei der sogar Du mit den ganzen Füßen auf den Boden kommst. 😂

    Bikerherz was willst mehr?🤘

    maxmoto

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen